Anerkennung in der Vereinsarbeit

In den letzten Jahren ist viel für die öffentliche Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements getan worden: Bundesländer haben Ehrenamtskarten entwickelt, die Vergünstigungen bereitstellen. Mannigfache lokale und überregionale Preise schossen aus dem Boden. Zeitungen berichten über „Ehrenamtliche des Monats“.

Anerkennung schaffen
 

Warum ist Anerkennung heute so wichtig? Die soziologische und psychologische Debatte der letzten Jahrzehnte kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Bedürfnis nach Anerkennung keineswegs um ein schönes, aber eigentlich überflüssiges Beiwerk, sondern um eine tragende Wand in unserer Kultur handelt.

Viele Menschen suchen in ihrem Engagement das auszudrücken, was ihnen am Herzen liegt. Das, was im Leben wichtig ist, soll auch von anderen Menschen wahrgenommen und anerkannt werden. Es geht dabei nicht um Geld oder materielle Gegenleistungen. Die weit überwiegende Mehrheit freut sich über einen spontanen Dank, der sich direkt auf das Getane bezieht: „Das hast du toll gemacht“, „das hat super geklappt“ usw. Formellere Formen wie Ehrenamtsempfänge durch die Träger oder die Kommune werden deutlich seltener gewünscht, eher noch kleine Geschenke wie ein Buch oder eine Schachtel Pralinen. Diese Gaben sollten aber auf die konkrete Person und ihre Vorlieben abgestimmt sein.

Unsere Gesellschaft hat sich stark individualisiert. In der Begegnung und der Wertschätzung anderer wird gleichsam das Authentische sichtbar: Das, worauf es einem ankommt. Das gilt auch für Vereinsvorstände. Ihre Stellung in der Kommune ist heute nicht mehr so strahlend und unangefochten wie im 19. Jahrhundert. Vereinsvorstände gehören keineswegs selbstverständlich zu den geachteten Honoratioren des Ortes. Um die Vorstandsarbeit wieder ins rechte Licht zu rücken, gehört eine öffentliche Würdigung unbedingt dazu. Und wenn sie von den Vereinsmitgliedern nur zu hören bekommen, was wieder alles schief gelaufen ist, sinkt die Motivation natürlich in den Keller. Deshalb ist eine gute Anerkennungskultur im Verein so wichtig. Anerkennung ist die wichtigste Währung, mit der Ehrenamt entgolten wird.

Jeder Verein sollte die mittlerweile gegebenen Angebote für öffentliche Ehrungen aktiv in Anspruch nehmen. Er kann verdiente Ehrenamtliche für die Ehrenamtskarte oder den Ehrenamtsnachweis in Bayern (weitere Informationen unter www.ehrenamt.bayern.de und www.ehrenamtsnachweis.de) anmelden oder exklusivere Auszeichnungen wie die Ehrenamtsnadel des Bayerischen Ministerpräsidenten oder die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste beantragen. Darüber hinaus sollte man von Zeit zu Zeit überprüfen, ob die eigene Anerkennungskultur innerhalb des Vereins noch stimmig ist. In einer durch Individualismus geprägten Kultur wirkt Anerkennung nur, wenn sie auf die konkrete Person eingeht und ihre Vorlieben und Motivationen berücksichtigt. Insofern ist es wichtig – wie bei einem Geschenk für gute Freunde – auch die Vorlieben und den Geschmack der Ehrenamtlichen in Erfahrung zu bringen. Gemeinsame Feste, Ausflüge oder Geburtstagskarten können weitere Bausteine für eine Anerkennungskultur sein.

 

 

 

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